Ungarn-Wahlen: Auch wir Deutschen hatten Schuld an Orbán
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Ungarn-Wahlen : Auch wir Deutschen hatten Schuld an OrbánVon Kristof Botka20.04.2026, 11:46Lesezeit: 6 Min.Bildbeschreibung ausklappenWaren früher einmal Freunde: Angela Merkel und Viktor Orbán 2019dpaNach Orbáns Abwahl, sollten wir Deutschen unser Verhältnis zu den Ungarn überdenken. Allein durch ökonomische Zusammenarbeit wird Europa nicht überleben. Anhören Merken TeilenVerschenkenDrucken Zur App Niemand weiß, was für ein Land Ungarn bald sein wird, und ebenso wenig, was Orbáns Abschied für die EU bedeutet. Das Land erlebt einen seltenen Moment des Umbruchs. In Deutschland gibt uns das die Gelegenheit, innezuhalten und zu fragen, wie es in den vergangenen Jahren zu der Entfremdung zwischen Ungarn und der EU überhaupt kommen konnte – um sie endlich zu überwinden.So groß die Erleichterung über die Abwahl Viktor Orbáns ist, wird sich erst einmal nichts daran ändern, dass es dem Land schwerfällt, ein Teil des Westens zu sein. Dabei hatte Ungarn seit seiner Gründung im Mittelalter zum Kern Europas gehört. Erst die Nachkriegsordnung lieferte das Land dem russisch dominierten Osten aus und bewirkte eine Trennung von Westeuropa, die in den Köpfen bis heute nachwirkt. Dieser Identitätskonflikt ist sowohl eine der Ursachen als auch Konsequenz der zähen Beziehungen, die seit der Wende zwischen dem Westen und den postsowjetischen Ländern entstanden sind.Orbáns VergehenWährend die Ungarn nach dem Fall der Mauer wieder zu Europa gehören wollten, zeigte sich bald, dass sie kein gleichberechtigter Partner waren. Vor allem deutsche Banken und Konzerne kauften das Land auf und investierten dort ihr Kapital. Sie etablierten ein Geschäftsmodell, das auf der Lohndifferenz zwischen den Ländern beruht. Bis heute gelingt es dem kleinen Land mit seinem Mangel an Kapital nicht, sich davon zu emanzipieren. Die ökonomischen Verhältnisse konsolidierten das, was der Anthropologe Ivan Kalmar in seinem Buch „Weiß, aber nicht ganz“ als „Teilprivilegien“ bezeichnet: Ungarn hat zweifellos von den...


