Frankfurter Anthologie: Thomas Brasch: „Ansturm der Windstille“
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Frankfurter Anthologie : Thomas Brasch: „Ansturm der Windstille“Von Alexander Košenina26.04.2026, 11:21Lesezeit: 3 Min.AbspielenPodcastpicture allianceDem Osten den Rücken gekehrt, im Westen nie ganz heimisch geworden: Ein Gedicht über die Perspektive des Exilanten und das grenzübergreifende Gefühl des Stillstands. Merken TeilenVerschenkenDrucken Zur App Das Ende der DDR begann vor fünfzig Jahren mit der Ausbürgerung Wolf Biermanns. Am 16. November 1976 verkündete ADN, eine der beiden Nachrichtenagenturen der DDR, diese Politbüro-Entscheidung und sprach von „grober Verletzung der staatsbürgerlichen Pflichten“. Dagegen protestierte die Mehrheit aufrechter DDR-Schriftsteller mit einer Resolution, darunter Thomas Brasch. Er ging direkt zu Erich Honecker, dem Vorsitzenden des Staatsrats, dem sein Vater Horst Brasch als hoher Funktionär eng verbunden war. Nachdem Thomas Braschs Texte in der DDR nicht mehr erscheinen durften, genehmigte man ihm umgehend die Ausreise mit seiner Lebensgefährtin Katharina Thalbach und deren Tochter.Das 1980 publizierte Gedicht „Ansturm der Windstille“ entstand in Westberlin, dem Brasch keineswegs zujubelte. Von dieser Ambivalenz handelt der Text, der sich wie Prosa liest und nur durch zwei Doppelpunkte und einige Großschreibungen in eine Reihe von Hauptsätzen gegliedert ist. So paradox oder widersprüchlich wie der Titel ist der Inhalt. Von wo aus werden die Ruderer auf der Spree beobachtet? Es muss im Tiergarten sein, auch wenn sich der Tierpark in Lichtenberg mit in das zweite Wort mischt. In Ostberlin gab es aber keine der erwähnten „Leuchtreklamen“, keine rudernden Kämpfer der Freizeit (höchstens der Freiheit), laut Staatsdoktrin auch weniger fleißige Angestellte als Arbeiter.Die lächelnden Geister der GeschichteUnd in welche Richtung wird hier gerudert? Dem „Abendlicht“ entgegen, also nach Westen, wo die Spree bei Spandau in die Havel fließt und man weiter zu Fuß irgendwann auf die Mauer gen Osten gestoßen wäre? Oder geht es zur Friedric...




