Frankfurter Anthologie: May Ayim: „künstlerische Freiheit“
✨ AI Summary
🔊 جاري الاستماع
Frankfurter Anthologie : May Ayim: „künstlerische Freiheit“Von Sabrina Habel07.06.2026, 14:53Lesezeit: 4 Min.AbspielenPodcastDagmar SchultzDie mit den harten Kanten nannten sich Konsonanten: Für diese Dichterin gehörte es zur Freiheit ihrer Kunst, auch Worte wählen zu können, die treffen und schmerzen. Merken TeilenVerschenkenDrucken Zur App Die sprachlose Zeit der Kindheit dauerte für May Ayim zwei Jahre. Das war das Alter, in dem sie von einem Hamburger Kinderheim in eine Pflegefamilie kam. Zu dieser Zeit konnte sie nach Angaben der Pflegeeltern weder stehen noch sprechen noch feste Nahrung zu sich nehmen. Im Jahr 1986, nach einem Studium der Psychologie und Pädagogik, nimmt sich May Ayim in ihrer Diplomarbeit die Freiheit, ihre Herkunft theoretisch aufzuarbeiten. Ihre „Kultur- und Sozialgeschichte der Afro-Deutschen“ wird zum Grundstein der afro-deutschen Bewegung. In dem 1995 erschienenen Lyrikband „blues in schwarz weiss“ ist die Freiheit, die Ayim sich nimmt, eine künstlerische. „der mann brachte / die frau zum kind / die frau brachte das kind / ins heim“, lautet hier die Geschichte ihrer frühen Kindheit.Künstlerische Freiheit, so heißt es im gleichnamigen Gedicht, bedeutet „alle Worte in den Mund nehmen“. Das erinnert an das, was in der Entwicklungspsychologie und Pädagogik die orale Phase genannt wird, die Zeit, in der das Kleinkind die Welt über den Mund erkundet. Wenn eine Dichterin die Worte über den Mund erkundet, dann ist das die Begründung einer ganzen Poetik. In Ayims Gedichten zersetzen sich die Worte im Mund in ihre kleinsten Einheiten, die Morpheme, lösen sich aus den Zusammenhängen und organisieren sich neu. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen In ihrem „ein nicht ganz liebes geh dicht“ werden die Tempi der Verben enggeführt. „ich liebteliebe ihn noch“, heißt es in dem Gedicht über ein Liebespaar in einer On-off-Beziehung, das sich gegenseitig „favoriterrorisiert“. Das Gedicht „ansichtssache“ entfalte...





