Festspiele in Bergen: Kunst statt politischer Polemik
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Festspiele in Bergen : Kunst statt politischer PolemikVon Jan Brachmann, Bergen02.06.2026, 22:46Lesezeit: 4 Min.Bildbeschreibung ausklappenAlexander Gadjiev spielt im Troldsalen auf Troldhaugen. Hinterm Fenster: die Komponierhütte von Edvard GriegThor Brødreskift / FestspilleneBeim größten Mehrspartenfestival Skandinaviens nimmt das Hagen-Quartett Abschied, singt Lise Davidsen Schubert und dirigiert Esa-Pekka Salonen Messiaen. Anhören Merken TeilenVerschenkenDrucken Zur App Wir leben in einer Zeit toxischer Diversität. Rivalisierende Gruppen kämpfen um möglichst hohe Ränge in Opfergruppenhierarchien. Die Ökonomie der Aufmerksamkeit und knapper Fördermittel heizt diesen Wettbewerb an. Die Buntheit, die Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas kürzlich als Alternative zum fahrlässig behaupteten „Einheitsbraun“ der deutschen Gesellschaft formulierte, ist längst eine Buntheit in Feindschaft. Die Kunst steckt mittendrin in diesem Kampf.Er wolle da nicht mitmachen, sagt Lars Petter Hagen, der Intendant der Festspiele in Bergen, Nordeuropas größten Mehrspartenfestivals. „Ich will die Leute zusammenbringen, nicht gegeneinander ausspielen, zusammenbringen durch gute Kunst, nicht durch Polemik oder die Jagd nach Aufmerksamkeit, indem man durch Provokationen sein Gegenüber reizt.“Esa-Pekka Salonen dirigiert das Bergener Philharmonische Orchester zur Eröffnung der Festspiele in Bergen.Thor Brødreskift / FestspilleneWarum hat er dann die Theatergruppe um Milo Rau mit dem „Prozess Pelicot“ nach Norwegen eingeladen, ausgerechnet jenen Künstler, bei dem politische Provokation das Geschäftsmodell ausmacht? „Ganz einfach“, sagt Hagen, „weil Milo Rau einer der großen Theatermacher unserer Zeit ist und seine Stimme es verdient, gehört zu werden.“ Hagen grenzt nicht aus, aber er gleicht aus. „Die Theaterszene ist momentan ideologisch so aufgeheizt, wie die Szene der Neuen Musik es in den 1960er Jahren einmal war. Das Theater holt das jetzt nach. Wir können das nur begleiten.“Hagen, selbst ein...

