Listening Bars: Einfach mal wieder gemeinsam Musik hören
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Neue Barkultur Einfach mal wieder gemeinsam Musik hören Keine Handys, dafür mal richtige Musik auf die Ohren: Bei Listening Partys hören die Gäste ganze Alben am Stück. Der Trend wächst weltweit – auch Stars wie Rosalía, Billie Eilish und Frank Ocean machen mit. 05.04.2026, 11.48 Uhr Zur Merkliste hinzufügen Artikel anhören (6 Minuten) 6 Min X.com Facebook E-Mail Link kopieren Weitere Optionen zum Teilen X.com Facebook E-Mail Messenger WhatsApp Link kopieren Bild vergrößern Kevin Rodriguez, Betreiber der Listening Bar »Unkompress« Foto: Christophe Gateau / dpa Als die spanische Popsängerin Rosalía ihr neues Album »Lux« vorstellte, blieb sie selbst stumm. Im Palau Nacional in Barcelona hörten geladene Gäste im November 2025 die 18 Lieder, während die 33-jährige Musikerin auf einem Podest aus weißem Tüll wie eine Art Schneewittchen im Schnee lag. Und zuhörte, nicht sang. Nach dem letzten Track verließ Rosalía lächelnd, aber wortlos den Saal. Die »Listening Session« (wörtlich: Zuhör-Sitzung) ist ein recht neues Phänomen der Popkultur. Dabei kommen Musiker und Fans im intimen Kreis zusammen, um gemeinsam Musik zu lauschen, die zumeist von einem Tonträger wie einer Schallplatte abgespielt wird. Der Wandel im NachtlebenIn Hamburg eröffnete im September das Listening-Café Trader Hifi und in München im November die Bar Spin – und auch in Berlin gibt es mehrere Bars, die dem gemeinsamen Hören von Musik einen Raum geben. Eine von ihnen ist die Bar Unkompress in Kreuzberg. »Listening Bars sind gerade deshalb so gefragt, weil sie auf einen Wandel im Nachtleben reagieren«, sagt Betreiber Kevin Rodriguez. Die klassische Clubkultur habe es zunehmend schwer. »Und viele Menschen suchen nach Alternativen – nach etwas Intentionalem, Intimem, etwas Konzentriertem und Fokussiertem.« Keine Handys, keine GesprächeDie persönliche Handschrift mache Listening Bars besonders, beschreibt Rodriguez das Konzept. Vom Soundsystem über die Auswahl der Platten bis zum gesamten Erlebnis spiegele jeder Ort die Persönlichkeit seiner Betreiber wider. »Manche legen den Fokus stärker auf Essen, andere auf Kultur oder Drinks – aber allen gemeinsam ist die bewusste Atmosphäre und das konzentrierte Zuhören.« Bei Unkompress werden komplette Alben von Anfang bis Ende gespielt. »Beide Seiten«, unterstreicht Rodriguez. Er wählt die Musik aus, unterstützt von DJs, die regelmäßig in der Bar auflegen. Zu hören gebe es Jazz, Funk, Electronic Sounds aus den 80ern, aber auch aktuelle Musik. Sonntags findet die »Album Listening Session« statt: »Ein Album, keine Handys, keine Gespräche – gemeinsames, konzentriertes Hören.« Wer wissen will, wie sich eine solche Session anfühlt, dem empfiehlt Unkompress-Gründer Kevin Rodriguez außer seiner eigenen Bar folgende Adressen in Berlin: das Rhinoceros, die erste Listening Bar Berlins; das Migas, das eine starke Atmosphäre biete; das Coro mit gutem Sound und tollen Drinks; und die Bar Neiro. Rodriguez wählt die Musik nach Jahreszeit, Tageszeit und sogar nach dem Wetter aus. »Auch die aktuelle Stimmung in Berlin spielt eine Rolle. Die Auswahl ist sehr intuitiv und persönlich«, sagt er. Getanzt werde nicht. Der Raum sei klein, etwa zwanzig Sitzplätze, die Gäste kämen bewusst zum Zuhören und um den Raum und die Drinks zu genießen. Die Sessions würden ausgezeichnet angenommen. Da es keine räumliche Trennung zwischen dem DJ und Gästen gibt, entstehe eine gemeinschaftliche Atmosphäre. »Oft fragen Gäste nach den gespielten Platten – daraus entstehen ganz natürlich Gespräche«, berichtet Rodriguez. Auf die Idee für seine Bar kam er, als er sich fragte, warum nur Clubs gute Soundsystems und eine durchdachte Musikauswahl bieten würden. Er entdeckte die Listening-Kultur in Japan und interpretierte sie auf seine Weise. In japanischen Jazz-Kissas trifft man sich, um gemeinsam Jazzmusik zu genießen. Die Berliner Listening-Bar Bar Neiro bezieht sich auf ihrer Internetseite direkt darauf – genau wie Rodriguez. Listening Partys auch bei Billie Eilish und Frank OceanNun erobert das gemeinsame Musikhören die Welt. In Paris gibt es ebenfalls viele »Bars audiophiles«. Ein Artikel des Musikmagazins »Dazed« erwähnt neben Rosalía auch Listening Partys von US-Popstar Billie Eilish und Rapper Frank Ocean und die Londoner Listening Bar Shai Space. Die Londoner Produzentin HAAi sagt, Touren sei für Musiker extrem teuer geworden, sagt HAAi. »Listening Partys schließen eine Lücke. Sie ermöglichen es, die Musik angemessen zu präsentieren, ohne den enormen finanziellen Druck.« Der Musiker Isaac de Martin alias Ike trat im August bei Unkompress in Kreuzberg auf. Zunächst hörten die Gäste das Album gemeinsam, anschließend konnten sie Fragen dazu stellen. Danach spielte er die Songs noch einmal live – um einen anderen Eindruck von der Musik zu vermitteln. Das sagen Musikerinnen und Musiker zum Format »Die Intimität eines solchen Konzerts schafft eine engere Verbindung mit den Leuten, und die Musik profitiert davon. Das Publikum ist weniger abgelenkt«, sagt Ike. Listening Sessions würden Konzerte nicht ersetzen, die immer noch essenziell für Bands seien. »Aber Listening Bars gewinnen wegen der intimen Atmosphäre für die Musikbranche zunehmend an Bedeutung.« Die Berliner Musikerin Jana Irmert spielte im Dezember in Berlin ihre erste Listening Session überhaupt. »Ich fand es ein interessantes Format, weil ich den Fokus auf das Teilen meines Prozesses gelegt habe und ich denke, das ist vielleicht auch die Stärke dieser Sessions«, so Irmert: Interessierte könnten mit Künstlern ins direkte Gespräch kommen. Mehr zum Thema Offline-Treffen in Berlin: 8,50 Euro – für einen ganz normalen Abend ohne Smartphone Ein Ortstermin von Florian Kistler Album der Woche mit Arlo Parks: Das Tanzverbot gilt nicht für sie Von Andreas Borcholte Klangwahrnehmung: Die Farbe eines Konzertsaals beeinflusst, wie wir Musik empfinden Kneipensterben in Deutschland: Zu dir oder zum Bier? 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