Kolumne „Zurück zur Natur“: Natur und Kunst, sie haben sich gefunden
✨ AI Summary
🔊 جاري الاستماع
Kolumne „Zurück zur Natur“ : Natur und Kunst, sie haben sich gefundenVon Wiebke Hüster16.05.2026, 16:58Lesezeit: 4 Min.Bildbeschreibung ausklappenGehegt, gepflegt, von Menschenhand gezügelt: Der Barockgarten von Schloss Gottorf im schleswig-holsteinischen Schleswig.dpaGoethe war natürlich mal wieder für Form, Maß und Ordnung: Über unser wechselvolles Verhältnis zur Natur und die Botschaft der Baumnymphen.Zusammenfassung Anhören Merken TeilenVerschenkenDrucken Zur App Kommt die Kunst im Verlauf der letzten vier Jahrhunderte der Natur näher, oder entfernt sie sich von ihr? Entfaltet, offenbart das von Kunstgesetzen und dem Regelwerk vergangener Epochen befreite oder sich lossagende Schaffen der Gegenwartskunst die Natur des Menschen vollkommener? Johann Wolfgang von Goethe bezieht sich, als er 1800 das Sonett „Natur und Kunst“ verfasst, auf zwei Aspekte des Problems. Einmal beschreibt er, wie ihn die Natur nun fasziniert, während er sie früher vernachlässigte: „Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen, / Und haben sich, eh’ man es denkt, gefunden; / Der Widerwille ist auch mir verschwunden, / Und beide scheinen gleich mich anzuziehen.“Der zweite Aspekt bezieht sich auf das Naturhafte im Menschen, die „frei Natur“, die Goethe im Herzen „glühen“ weiß. Diese Ungezähmtheit, Wildheit, Ungezügeltheit führt nicht zu großer Kunst, mahnt der Dichter; „Vergebens werden ungebundne Geister / Nach der Vollendung reiner Höhe streben“. Wer Großes will, muss sich zusammenraffenGoethes 50. Geburtstag liegt hinter ihm, als er diese streng gefügten, Sturm-und-Drang-kritischen Zeilen schreibt, hinter ihm liegen die Jahre der Flucht nach Italien, das Erlebnis erfüllender körperlicher Liebe in Rom und schließlich auch in Weimar. Er hat sich von dem Momentum erfassen lassen: „Diese Göttin, sie heißt Gelegenheit! lernet sie kennen!“ schreibt er in der Vierten Elegie. Diese Jahre, diese Erlebnisse und Phantasien haben ihn verändert. Und doch bindet er den größten Triumph der Eroberung...





