Gesellschaftliche Vielfalt: Die Spaltung ist abgesagt
✨ AI Summary
🔊 جاري الاستماع
Gesellschaftliche Vielfalt : Die Spaltung ist abgesagtVon Boris Holzer13.05.2026, 15:44Lesezeit: 3 Min.Bildbeschreibung ausklappenEinig Vaterland? Nicht unbedingt, aber die Gesellschaft ist weniger gespalten, als viele denken.dpaDeutschland zerfällt nicht in zwei Lager, sondern in neun. Eine neue Studie zeigt komplexe Konfliktlinien und hinterfragt die Spaltungsthese. Anhören Merken TeilenVerschenkenDrucken Zur App Man hat sich daran gewöhnt, dass die Soziologie einer mit sich selbst zufriedenen Gesellschaft den Spiegel vorhält und Krisen auch dort diagnostiziert, wo andere nur Normalität sehen. Paradigmatisch dafür war Adornos bekannte Antwort in einem „Spiegel“-Gespräch von 1969. Die Bemerkung, bis vor Kurzem habe es noch den Anschein gehabt, die Welt sei in Ordnung, beschied er: „Mir nicht.“Werden Ungleichheiten und Interessengegensätze öffentlich nicht thematisiert, übernimmt die Soziologie die Aufgabe, auf diese latenten Konflikte hinzuweisen. Gelegentlich tauschen Öffentlichkeit und Soziologie jedoch die Rollen. Aktuell rufen Politik und Medien unablässig Polykrisen, Spaltungen und Kulturkämpfe aus und provozieren dadurch soziologischen Widerspruch. Nicht die verborgene Krise, sondern die sichtbare Krisenrhetorik erscheint aus soziologischer Sicht erläuterungsbedürftig.Die Zweiteilung, die wir uns vorstellenIn diese Richtung zielt ein kürzlich veröffentlichter Aufsatz von Thomas Lux, Steffen Mau und Linus Westheuser. Die Autoren sind bereits in ihrem Buch „Triggerpunkte“ den Erregungsmechanismen der Gegenwartsgesellschaft nachgegangen. Nun fragen sie, ob Deutschland entlang unterschiedlicher Typen der Lebensführung polarisiert ist.Der Ausgangspunkt ist eine bekannte, mit wechselnden Begriffen operierende Gegenwartsbeschreibung, die eine neue Konfliktachse zwischen „Kosmopoliten“ und „Kommunitaristen“ diagnostiziert. Den „Weltoffenen“ – mobil, gebildet, urban und veränderungsbereit – stehen demnach die „Bodenständigen“ gegenüber, die stärker an Herkunft und Tra...





